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Wirtschaftsfaktor Juden Nach den Zerstörungen durch den Dreißigjährigen krieg und den Türkenkriegen fehlte es den deutschen Fürsten an Kapital. Die Lösung wurde in Krediten und Sondersteuern gesucht. Helfen konnten hier am ehesten die Juden mit ihren weit reichenden Verbindungen im europaweiten Geldgeschäft. Im westlichen Mitteleuropa wurden Juden schon seit karolingischer Zeit als Geldvermittler eingesetzt. Im Mittelalter wurden sie vielfach als „Hofjuden" an Fürstenhöfe berufen, weil sie weit besser als der damalige Untertanen-Durchschnitt lesen, schreiben und rechnen konnten. So wurden sie von ihren adligen Arbeitgebern durchaus geschätzt, wenn auch mit Schutzgeldern und Sondersteuern belastet.
Die Hamburger Judenschaft, mit 6.000 Mitgliedern die größte Gemeinde im damaligen Deutschland, brachte dem Hamburger Wirtschaftsleben Vorteile genug, um vor kirchlichen Feindseligkeiten geschützt zu sein. Die hansestädtischen Bürgerrechte bekamen sie jedoch nicht. Der Münchner Bankier Seligmann, Gründer der Bayerischen Hypothekenbank, wurde allerdings völlig in die Gesellschaft aufgenommen – als Konvertit zum katholischen Glauben. Andere Finanzjuden und viele kleine Landhändler und Pfandleiher fanden zumindest ein geduldetes Dasein, wenn auch bei stetigem Druck durch Sondersteuern in den verschiedenen deutschen Kleinstaaten. Der Große Kurfürst erließ 1671 eine „Magna Charta" als allgemeines Duldungsgesetz und erlaubte jüdischen Zuzug aus Hamburg, aus Polen und dem Rheinland. So schuf er die Grundlagen für die Entwicklung der heutigen Millionenstadt Berlin. Das bedeutendste Toleranzedikt erließ Kaiser Franz Joseph II. im Jahr 1781 für Österreich ohne Rücksicht auf den wirtschaftlichen Nutzen. Es milderte die Benachteiligung von Juden in der Öffentlichkeit, forderte die bürgerliche Gleichstellung und eröffnete den Besuch christlicher Schulen. Der Zugang zur christlichen Gedankenwelt und zu wissenschaftlichen Karrieren sollte geöffnet werden. Verbunden damit waren auch die demographische Assimilation und der Verlust jüdischer Religiosität. |
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