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Wille zur Macht Seit der Französischen Revolution bestimmt der Egalitarismus unser Verständnis von Moral und Legitimität. Heute sind alle für Gleichheit, damals jedoch war der Begriff umstritten und verrufen. Inzwischen sind mehr als zweihundert Jahre vergangen, die gesellschaftspolitische Wirklichkeit hat sich mehrmals geändert. Genau genommen war es ein Schwanken zwischen gegensätzlichen Extremen, die jeweils die Begriffe „Gleichheit" oder „Elite" als Grundlage verwendeten. Mit Egalitarismus ist nicht materielle Gleichverteilung gemeint, sondern dass alle Menschen gleiche Grundrechte haben. Dass ein solcher Gedanke im 19.Jahrhundert auf Widerspruch stieß, verwundert nicht. Denn die gesellschaftliche Wirklichkeit basierte auf den Unterschieden der Menschen. Die Idee der Gleichheit war etwas Unbegreifliches: in Nietzsches Zarathustra wird die Lehre von der Gleichheit den Taranteln in den Mund gelegt, für Hitler war es eine Idee der Juden. Von der von Nietzsche postulierten Ungleichheit ist es nicht weit zu dem Begriff „Herrenmensch", der im ersten Drittel des 20.Jahrhunderts eine verheerende Rolle spielte. Gleichheit sei charakteristisch für das Herdenbewusstsein; die Forderung gleicher Rechte müsse verworfen werden, weil Gleichheit so viel wie Gewöhnlichkeit bedeute und darum die Feindin von allem Herausragenden und aller Kultur sei. Der von Nietzsche geforderte Begriff lautet "Wille zur Macht". Die Macht allein – auch als Gewalt verstanden – entscheidet und rechtfertigt alles Handeln. Es sei eine Tatsache, dass alles menschliche Handeln und alles Leben ausschließlich durch Machtstreben bestimmt werden. Er hatte die Vorstellung von einer unüberbrückbaren, "blutsmäßig" bestimmten Ungleichheit zwischen den "höheren" und den "gewöhnlichen" Menschen. Dahinter stand seine Überzeugung, es gebe einerseits „große, höhere" und andererseits "gewöhnliche, niedrige" Menschen. Darin liegt auch die Unterscheidung in Stark und Schwach. Und so ergibt sich, dass Nietzsche den Starken, Höheren den Willen zur Macht und das Recht zu ihrer Ausübung zuerkannte. Diese „Herrenmoral" setzte sich bis ins 20.Jahrfhundert fort, obwohl sie eigentlich nur die Fortsetzung oder der Abklatsch des adligen Feudalismus war. Die Verbindungslinien von Nietzsche und seiner Philosophie zur Politik von Mussolini und Hitler und zum europäischen Faschismus des 20.Jahrhunderts sind unübersehbar. Mussolini und Hitler sind nur die Spitze eines Eisbergs. Spanien, Frankreich, England, Skandinavien usw. waren im politisch-philosophischen Denken von der antiegalitären Philosophie des 19.Jahrhunderts genau so beeinflusst. Nietzsche war nur einer von mehreren, aber seine Begrifflichkeit eignete sich am ehesten für faschistische Propaganda. Zweifellos war Nietzsche einer der einflussreichsten Philosophen des 19.Jahrhunderts. Sein Denken hat eine ganze Reihe gegensätzlicher philosophischer und politischer Strömungen geprägt. Die Zeitspanne, in der seine Schriften veröffentlicht wurden, war relativ groß. Die Frage bleibt, ob mit fortschreitender Zeit und seiner näher rückenden Krankheit seine apodiktischen Thesen immer kontroverser und brisanter wurden. Auch bleibt die Frage, ob die von vielen Menschen der damaligen Zeit empfundene Faszination der Philosophie Nietzsches darauf beruht, dass er radikale politische Positionen vertreten hat, die wir heute fast ausschließlich als rechtsextrem bezeichnen würden.. Die ideologischen Verbindungen von seiner politischen Philosophie zum späteren Italo- und Germanofaschismus sind unübersehbar. Friedrich Nietzsche lebte in der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts in einem vom Militär geprägten Kaiserreich. Seine Philosophie richtete sich gegen Dekadenz und Nihilismus. Sein „Wille zur Macht" sollte dem entgegenwirken und zugleich die Ungleichheit der Menschen untereinander beweisen. Es scheint, als ob Nietzsche heutzutage überraschenderweise in bestimmten Kreisen der ehemaligen DDR verstärkten Anklang findet. Das klingt widersinnig und abstrus und wäre eigentlich nur damit zu erklären, dass die „Stasi-Rentner" sich immer noch als die „Elite" des (untergegangenen) Arbeiter- und Bauernstaates betrachten. |
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