|
Verantwortung Ausgangspunkt der Diskussionen im Arbeitskreis „Arbeit und Selbstverwirklichung" war eine Radio-Diskussion unter Theologen, die den Satz von René Descartes „Cogito, ergo sum" (Ich denke, also bin ich) umwandelte in „Ich arbeite, also bin ich". Die theologische Phraseologie ließ offen, ob dies nur eine euphemistische Interpretation war, oder ob damit die Überzeugung vertreten wurde „Ich arbeite, also bin ich Mensch". Die Umwandlung des cartesianischen Satzes ist sinnhaft, weil sie das Bewusstwerden des Menschen in frühgeschichtlicher Zeit zugleich mit einer unabweisbaren Aufgabe versieht, die schon den vorzeitlichen Menschen zu einem sozialen Wesen macht. Der überkommene Brutpflegeinstinkt, die Sorge um die Nachkommen, wird erweitert um die Sorge für die Sippe, um den gegenseitigen Schutz der in der Gemeinschaft Lebenden, um die Vorsorge für die Ernährung, um die Bewahrung der Heimstatt, um den Schutz und die Pflege jener Sippenangehörigen, die aufgrund ihres Alters oder wegen schwerwiegender Krankheit nicht mehr für sich selbst sorgen konnten. Diese gegenseitige Sorge sicherte das Überleben. Diese Sorge war Arbeit. Diese immerwährende Arbeit war Verantwortung für sich selbst, für die Nachkommen, für die gesamte Sippe. Diese von allen zu tragende Verantwortung macht den Menschen zu einem sozialen Wesen. Das Bewusstsein der Verantwortung ist Ausgangspunkt und Grundlage des nicht geschriebenen Naturrechts, das sich wiederum in die drei Hauptforderungen menschlichen Daseins gliedert: „Leben, Freiheit, Eigentum". Diese drei Hauptforderungen sind die Begriffe, die das Zusammenleben von Einzelnen in immer größer werdenden Gemeinschaften begründen und ermöglichen, aber zugleich auch Konflikte schaffen, die sich aus dem Zusammenprall von unterschiedlich verstandener Verantwortung und unterschiedlichen Bedürfnissen auf Leben, Freiheit und Eigentum entwickelten. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit von Regelwerken, die über viele Generationen hinweg aus den Lebenserfahrungen der Einzelnen entstanden. Die ersten Regelwerke waren Religionen, die sich aus animistischen Formen in der Urzeit hin zum Monotheismus entwickelten, der die „Idee" in den zentralen Mittelpunkt stellte. Die möglichen Konflikte des Zusammenlebens konnten dadurch nicht gelöst werden. Die Herrschaft von Menschen über Menschen – von den einen als Ordnung des Zusammenlebens, von den anderen als Unterdrückung verstanden – ist bis heute eine ungelöste Frage. Sie äußert sich im Wesentlichen in dem Gebrauch und dem Nutzen von Arbeit. |
|