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Umwelt


Der demografische Wandel ist auch unter Umweltaspekten eine Herausforderung. Selbst herkömmliche Öko-Siedlungen mit Solarenergie- und Regenwassernutzung, bisher der ganze Stolz der grünen Gemeinde, gehören auf den Prüfstand. Die Öko-Siedlungen sind ausschließlich für die grüne Wiese konzipiert worden – unter der Annahme eines weiteren Wachstums von Städten und Regionen.

Die Tendenz der Leute geht eindeutig in die Stadt zurück, meinen die Raumplaner. Sie sind überzeugt, dass die Deutschen zukünftig in Vierteln leben wollen, in denen Wohnungen, Arbeitsstätten, Einkaufsmöglichkeiten und Kneipen nahe beieinander liegen. Zersiedlungssubventionen wie die Pendlerpauschale und die Eigenheimzulage förderten deshalb einen Trend von gestern, so die Raumplaner.

Ob diese Entwicklung Wirklichkeit wird und unumkehrbar bleibt, ist abzuwarten. Dafür spricht, dass die Generation der Familiengründer, die im Alter von 35 Jahren vorzugsweise Einfamilienhäuser baut, in Zukunft kleiner wird. Dagegen spricht, dass die Kommunen um die schrumpfende Bevölkerung womöglich noch verbissener kämpfen als bisher – unter anderem durch die großzügige Ausweisung von Bauland.

Bevölkerungsschrumpfung ist in jedem Falle problematisch. Denn weniger Menschen pro Quadratkilometer lasten die vorhandene Infrastruktur weniger aus. Die hohen Fixkosten kommunaler Ver- und Entsorgungsnetze verteilen sich dann auf weniger Köpfe, was mitunter zu einer Verdopplung der Wohnungsnebenkosten führen kann. Die sinkende Siedlungsdichte hat jedoch weitere, auch ökologisch bedenkliche Folgen. Die Stadttechniker sehen sogar die technische und ökonomische Funktionsfähigkeit des Systems Stadt gefährdet.

In Ostdeutschland machen die Stadtwerke bereits die Erfahrungen, die auf ihre westdeutschen Kollegen erst noch zukommen. Überdimensionierte Neubauten mit Bewohnerzahlen, die jetzt schrumpfen, haben in vielen ostdeutschen Städten die Auslastung der Leitungsnetze auf weniger als 30 Prozent gegenüber der ursprünglichen Auslegung sinken lassen. Nun steigen nicht nur die Kosten; die zu großen Netze erweisen sich obendrein als umweltschädlich.

Beispiel Abwasser: Um üble Gerüche zu bekämpfen, die aus den weniger genutzten Kanälen dringen, mussten die Wasserbetriebe von Frankfurt/Oder ihre Ausgaben binnen zehn Jahren versechsfachen. Die notwendigen Spülwassermengen stiegen allein zwischen 1999 und 2001 von knapp 2000 auf fast 12000 Kubikmeter pro Jahr. Folge: Die Bemühungen zur Wassereinsparung werden konterkariert; die erhöhte Korrosion der Leitungen gefährdet obendrein das Grundwasser.

Beispiel Trinkwasser: Verweilt das Lebensmittel Nummer eins mangels Nachfrage länger als bisher üblich im Versorgungsnetz, droht es zu verkeimen; im schlimmsten Fall sogar mit tödlichen Folgen. Manche Stadt, zum Beispiel Erfurt, lässt vorbeugend bereits hin und wieder Trinkwasser durch ihre Leitungen rauschen, das ungenutzt die Kläranlage erreicht.

Beispiel Fernwärme: Die effizienteste Methode der Wärmeversorgung büßt ihre ökologischen Vorteile ein, wenn die Distanz zwischen den einzelnen Wärmeabnehmern wächst. Die Heizkraftwerke erweisen sich dann als zu groß, ihr Wirkungsgrad sinkt, sie stoßen – relativ zum sinkenden Wärmeabsatz – mehr klimaschädliches Kohlendioxid aus.

Der demografische Wandel verändert die Beziehungen von Natur und Gesellschaft und verlangt von den Raum- und Stadtplanern ein völlig neues Denken. Um Kosten und Umweltbelastungen in Grenzen zu halten, müssten sie die Versorgungsleitungen verkürzen – und zwar von außen nach innen. Da die Städte einst in genau umgekehrter Richtung von innen nach außen gewachsen sind, müssten die zuletzt gebauten Häuser als Erste von den Leitungsnetzen abgekoppelt und abgerissen werden.

Drücken sich die Stadtplaner und Hausbesitzer davor, führt kein Weg an wachsenden Umweltbelastungen vorbei. Die Menge der CO2-Emissionen im Jahr 2050 wird auch davon abhängen, welche Lösungen für den Umgang mit leer stehender Bausubstanz und untergenutzter Infrastruktur gefunden wird.