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Fürstentum Liechtenstein


Wer am Bodensee Urlaub macht, der will auch mal einen Blick auf die schneebedeckten Alpen werfen. Diesen Gedanken hatten wir schon zuhause bei der Urlaubsplanung und deshalb haben wir alles verfügbare Kartenmaterial gesichtet, unsere Wünsche sortiert und schließlich gebündelt. Das Ergebnis war ein Maximalkonsens, der keine Wünsche offen ließ.

Wir wohnen am Rhein, genauer gesagt in der oberrheinischen Tiefebene, wo der Rhein schon ein ziemlich breiter Strom ist. Wer in der Tiefebene lebt, der will auch mal nach oben, dorthin wo die Luft dünner und sauberer ist, und wo man einen weiten Blick hat, sofern sich nicht andere hohe, schneebedeckte Berge in den Weg stellen. Also muss man noch höher. Also ist das Besteigen hoher Berge – ganz sachlich-materiell gesehen – auch eine Horizont-Erweiterung.

Wer am Rhein lebt, der will auch wissen, wo das viele Wasser her kommt. Also nicht nur vom Bodensee, denn auch der muss schließlich irgendwie gefüllt werden. Wir wissen natürlich, dass der Rhein am einen Ende des Bodensees hinein fließt und am anderen Ende wieder heraus. Also wollten wir sehen, wo das Wasser herkommt. Auf der Karte haben wir gesehen, dass es einen Vorderrhein und einen Hinterrhein gibt und dass in dieser Ecke der Graubündner Alpen auch die berühmt-berüchtigte „Via Mala" ist, die nicht erst von John Knittel so genannt wurde, sondern schon von den Römern.

Also das Rheintal, bevor sich das Flüsschen in den Bodensee ergießt. In diesem Tal liegt Liechtenstein. Ein Fürstentum mit einem Souverän, der Adam heißt – ich glaube, seine Vorgänger hießen auch so.

Jetzt hatten wir zusammen, was wir sehen wollten. Hohe Berge, den jungen Rhein und ein ganz altes Fürstentum. Vom ADAC ließen wir uns die Route berechnen. Von der Halbinsel Höri über Konstanz durch die Schweiz. Fahrzeit nach Vaduz etwa zweieinviertel Stunden. So gesehen, so beschlossen …

Als wir dann am dritten Urlaubstag das Auto bestiegen, stellten wir fest, dass unser Navigator anderer Meinung war als der ADAC. Schwieriges Problem, denn der ADAC gilt in Deutschland in Verkehrsfragen als die letzte Instanz, der nicht widersprochen werden kann. Was der ADAC sagt ist „ex Cathedra" – nur der Papst hat einen gleich hohen Rang.

Aber egal. Wir beschlossen, uns auf den Navigator zu verlassen, denn ob der ADAC auch in der Schweiz die gleiche absolute Verbindlichkeit hat, wussten wir nicht. Also fuhren wir über Stein am Rhein, an Winterthur vorbei Richtung St.Gallen und Rheintal. Der Grenzübergang war auf Schweizer Seite unbesetzt. Und so fuhren wir mit immer schlechter werdendem Gewissen auf der Schweizer Autobahn, denn wir hatten den Eintrittspreis in die Schweiz – die Vignette – noch nicht gezahlt. Wir waren schon ziemlich tief in der Schweiz, bis wir an einer Tankstelle endlich eine Vignette kaufen und somit unser Gewissen reinigen konnten.

Und irgendwann waren wir dann in Liechtenstein. Eine Grenzstation gab es nicht, auch sonst gab es keinen Unterschied. So ganz allmählich vermehrten sich die Kraftfahrzeuge mit dem Kennzeichen FL – Fürstentum Liechtenstein – und die Berge rechts und links des Rheintals wurden immer höher, bis schließlich auch schneebedeckte Hänge zu sehen waren. Den Rhein allerdings konnten wir über weite Strecken nur erahnen. Hin und wieder Autobahnabfahrten mit bekannten Namen, wie zum Beispiel „Appenzell-Innerrhoden", jener Schweizer Kanton in dem erst im letzten Jahr durch Volksabstimmung das Frauenwahlrecht eingeführt wurde.

Die Vergangenheit war also nicht weit. Wir waren ja schließlich in einem Fürstentum mit einem regierenden Fürsten und sozusagen umgeben von Liechtensteiner „Untertanen". Aber von alledem war nichts zu merken.

Das Rheintal wird dort auf den riesigen Autobahn-Plakatwänden „Chancental" genannt. Und man hat den Eindruck, so Unrecht haben die gar nicht. Gründe gibt es dafür auch. Unzählige Banken und andere Kreditinstitute, noch mehr Firmen, die nur einen Briefkasten, aber keinen Betrieb in Liechtenstein haben.

Aber ein Konto auf einer der Banken haben die selbstverständlich. Also fremdes Geld, das in Liechtenstein arbeitet und insofern Chancen eröffnet.

Durch Vaduz – eine ganz normale Kleinstadt mit dem typischen „Schweizer" Flair – hindurch hinauf auf die Berge, also eine Fahrt ins Blaue. Unterwegs haben wir immer wieder angehalten um einen Blick ins Tal – auf „unseren" Rhein – zu werfen, der dort noch ganz schmal und jung ist.

Enge Serpentinen auf gut ausgebauter und gepflegter Straße, schließlich ein beampelter einspuriger Tunnel, dahinter das winzige Dörfchen Steg. In einer typischen Alpen-Berghütte sind wir eingekehrt und haben „Brotzeit" gemacht. Unsere sorgenvolle Frage, wie man bezahlen könne, wurde von der Wirtin mit „Fränkli oder Euro" beantwortet. Also war auch diesbezüglich alles klar.

Später sind wir dann noch ein paar Minuten aufwärts gefahren bis es nicht mehr weiterging. Da waren wir in der Skistation Malbun dicht vor der österreichischen Grenze. Die Sonne war jetzt weg und wir waren in den Nebelwolken.