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Lebens-Grundlage Meine persönliche Definition von Philosophie geht weit über die "Liebe zur Weisheit" hinaus – so wie die Übersetzung des griechischen „philosophia" wörtlich lautet. Das Diktum von Descartes "Cogito, ergo sum" könnte nach meiner Meinung einer der Grundsätze sein, die Philosophie erklären, weil sie alle Denkenden in den Kreis einbeziehen. Später sagte Karl Marx "Früher haben die Philosophen die Welt erklärt, jetzt aber geht es darum sie zu verändern". Noch später forderte Jean Paul Sartre jeden Einzelnen auf, seinem Leben einen unabweisbaren Sinn zu geben, dem unbeirrt gefolgt werden müsse. Wenn ich diesen Kreis zu Ende schlage, dann komme ich zum Kategorischen Imperativ von Immanuel Kant: "Handle stets so, dass die Maxime deines Willen zum allgemein gültigen Gesetz erhoben werden könnte." Philosophie ist also eine Anweisung zum Handeln als Mensch. Sie ist insofern auch ein moralischer Imperativ, der die Sekundärtugenden mit einschließt. Daraus könnten sich viele Gegenfragen ergeben, insbesondere deshalb, weil der Ursprungsbegriff „Weisheit" nicht abgedeckt wird. Für viele ist der descartianische Satz "Cogito, ergo sum" der Inbegriff des Rationalismus und sie stellen die Frage, ob ein rational denkender Mensch sich weise nennen darf? Eine solche Frage ist jedoch nur dann berechtigt, wenn man die Weisheit als den Abschluss betrachtet, nach dem nichts mehr kommt. Es sind rhetorische Fragen, die sich selbst beantworten. Es ist nun mal so, dass die Philosophie so vielfältig ist wie das Leben. Sie hat sich im Laufe der Jahrtausende gewandelt – genauer, sie hat sich an die veränderten Lebensbedingungen angepasst. Sokrates und Plato gehörten zu den wenigen rechtsfähigen Athener Bürgern, die von einer Mehrzahl rechtloser Sklaven versorgt wurden. Sie hatten die „Muße", sich mit „Denken" als „Liebe zur Weisheit" zu beschäftigen und darin den Sinn ihres Lebens zu sehen. Bei den alten Griechen kommt der Begriff „Muße" ziemlich häufig vor. Bei den Römern war das alles ganz anders. Ihre Philosophen waren Staatsdenker, die ein klar definiertes Ziel – die „civitas" und die „res publica" – verfolgten. Die den Römern folgenden Christen – in diesem Falle die Kirchenväter – wollten die „Civitas Dei". Philosophen im ursprünglichen Sinne gab es erst wieder in der Renaissance. Der Satz „Cogito, ergo sum" spielt dabei eine bedeutende Rolle. Denn er schließt alle Menschen in das Denken ein, nicht nur ein paar Auserwählte wie Plato, Seneca, Augustinus und Thomas v.Aquin. Im ausgehenden 18.Jahrhundert wurde schließlich der Philosophie auch ein egalitärer Sinn und ein egalitäres Ziel gegeben. |
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