|
Lebensbedingungen Einiges bleibt widersprüchlich. Denn trotz schrumpfender Bevölkerung wird der Autoverkehr in den meisten Regionen Deutschlands zunehmen. Das Umland wird weiter zersiedelt. Die Verkehrsbetriebe schränken ihr Angebot ein. Wer zur Arbeit oder zum Einkaufen will, muss Auto fahren. Die Lärmbelastung wächst. Die Innenstädte werden unattraktiv, die Menschen flüchten aufs Land. Ein Teufelskreis. Die demografische Entwicklung wird die Verkehrsprobleme nicht lösen, bei sinkenden Bevölkerungszahlen werden die Probleme eher noch größer, die Lebensqualität verschlechtert sich. Der demografische Wandel ist ein Mega-Thema. Doch während sich alle einig sind, dass die weltweit wachsende Bevölkerung für die Umwelt zusätzlichen Stress bedeutet, tappen die Experten weitgehend im Dunkeln, wenn es gilt, die ökologischen Konsequenzen alternder und schrumpfender Gesellschaften zu beschreiben. Zieht es die Menschen zurück in die Städte? Oder setzt sich der Drang ins Grüne, in die Vorstädte, fort? Nutzen weniger Menschen weniger häufig Autos? Oder bleibt ihnen gar nichts anderes übrig als das eigene Auto, weil Busse und Bahnen in zersiedelten Landschaften ihre eigentliche Aufgabe der Personenbeförderung nicht erfüllen können, weil es für einen halbwegs vertretbaren wirtschaftlichen Betrieb einfach nicht genug Menschen gibt? Wird der Lebensraum mancher Tier- und Pflanzenarten durch Straßen, Siedlungen und Gewerbegebiete dermaßen zerschnitten und verlärmt, dass sie endgültig verschwinden? Wird Deutschland mit weniger Einwohnern leichter die Klimaschutzziele erreichen? Das sind Fragen, die in allen Industrieländern gestellt werden. Und auf die es noch keine Antworten gibt. Was bedeutet es für Luft und Wasser, für Mensch, Pflanze und Tier, wenn an die Stelle unbewohnter Häuser irgendwelche Parkanlagen treten, für die es keine Besucher gibt? Was passiert, wenn eine große Industriestadt zu einem kleinen Landstädtchen wird? Es gibt auch positive Meinungen über die Bevölkerungsschrumpfung. Die Schrumpfung verspricht Entlastungseffekte für eine Vielzahl ökologischer Problemfelder, zum Beispiel Artenverlust, Flächenverbrauch, Verkehrsaufkommen, Energie- und Rohstoffverbrauch und Abfallaufkommen. So der Gründungsaufruf für ein Institut für die Chancen der Schrumpfung. Die Urheber der Initiative berufen sich dabei auf die Welt-Umweltformel, die vor mehr als 30 Jahren von dem amerikanischen Biologen Paul R. Ehrlich entwickelt wurde. Danach lässt sich die Umweltbelastung auf drei Faktoren zurückführen: auf den Pro-Kopf-Konsum, auf die angewandte Technik und auf die Bevölkerungszahl. Sinkt Letztere, nimmt auch die Umweltverschmutzung ab. Doch ganz so einfach ist es nicht. Manche grüne Hoffnung könnte mit einem Reinfall enden. Selbst wilde Tiere und seltene Pflanzen profitieren nicht uneingeschränkt, wenn weniger Menschen ihre Kreise stören. |
|