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Konflikte der Zukunft


Die CIA publizierte 1995 das Papier „Demografische Hintergründe für ethnische Konflikte". Darin wurde die Frage erörtert, ob ein zu starkes Bevölkerungswachstum zu politischer Instabilität führen kann. Der amerikanische Geheimdienst erblickte darin die Entstehung eines so genannten „youth bulge", einen Überhang an jungen Menschen in der demografischen Entwicklung, die keinen Platz in der Gesellschaft finden. Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass Mord und Totschlag drohen, sobald die Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen einen Anteil von 20 Prozent an der Gesamtbevölkerung übersteigt.

Die meisten islamischen Länder erleben einen solchen Prozess seit mehr als fünf Generationen. Binnen eines Jahrhunderts hat sich die Zahl ihrer Menschen von 150 auf 1200 Millionen Menschen verachtfacht, und so die größte Sohneswelle der Menschheitsgeschichte produziert. Nach Auffassung der CIA wären demzufolge Al-Qaida und Hamas keine politischen oder ideologischen Phänomene, sondern die zwangsläufige Folge einer demografischen Entwicklung.

Viele afrikanische Länder stecken in dieser Entwicklungsspirale. Sie drohen an ihren Problemen zu scheitern und treiben in die Unregierbarkeit. Sie können im Chaos versinken und die gesamte Welt destabilisieren. Dass die vielen jungen Männer – ohne Arbeit und ohne Perspektive – dabei ein Problem darstellen, liegt auf der Hand. Aber es ist nur eines von vielen Problemen. Das gegenwärtig sichtbare Problem sind die Flüchtlingsströme über das Mittelmeer und den Atlantik nach den italienischen Inseln und den Kanaren.

Angesichts der hohen Geburtenraten in den schwarzafrikanischen und vielen islamischen Ländern wird sich das Heer kampffähiger und kampfbereiter junger Männer in den nächsten 15 Jahren weiter vergrößern. Diese Entwicklung wird von den US-Strategen als das Gefährlichste im Kampf gegen den internationalen Terrorismus betrachtet. Zu diesen Ländern gehört Pakistan, wo Millionen in Koranschulen auf den Heiligen Krieg gedrillt werden. Noch höhere Geburtenraten verzeichnen Afghanistan, Saudi-Arabien und der Jemen.

Religion, Stammesfehden oder Armut sind nicht die Hauptgründe für die weiter steigende Eskalation des Terrorismus. Vielmehr sorgt der übergroße Anteil Jugendlicher an der Gesamtbevölkerung für gewalttätige Auseinandersetzungen. Vor allem in den sohnesreichen Gebieten des Islam mit seiner Verachtfachung von 150 auf 1200 Millionen Menschen in den letzten 100 Jahren hat sich ein riesengroßes Reservoir gewaltbereiter Krieger herausgebildet.

Die überzähligen Söhne sind nicht durch Hunger oder Krankheit geschwächt, sondern durchaus leistungsfähig. Ihr Streben nach oben findet allerdings kein Betätigungsfeld. Sie sind von vornherein in einer Verliererposition, weil ihr Gemeinwesen ihnen keine Aufstiegschancen bieten kann. Das macht sie aggressiv. Sie wollen ihren Anteil an guten Jobs, an Pfründen, an Ansehen und an jungen Frauen. Da die feudalen arabischen Gesellschaften diesen Ehrgeiz der Jugendlichen nicht in einer akademischen oder sonstigen Karriere kanalisieren können oder wollen, bleibt den Söhnen in den islamischen Entwicklungsländern nur der Griff zu den Waffen. Der Krieg (wie sie es nennen, wir nennen es Terrorismus) bietet ihnen die Möglichkeit, zu Anerkennung, Geld, Position und Sex zu kommen. Wer im „Krieg" stirbt, ist in einer gewissen Weise auch versorgt.

Überall dort, wo der Anteil von Jugendlichen in der Bevölkerung überproportional groß ist, bedeutet dies eine Gefahr für den inneren Frieden eines Landes, aber auch eine Gefahr für die Nachbarn. Die USA verfügen nur über 30 Millionen Söhne im entsprechenden Alter. Die übrigen OECD-Staaten haben noch einmal 70 Millionen Söhne. Es stehen also 100 Millionen Söhne in den Industrieländern 900 Millionen Söhnen in den islamischen Entwicklungsländern gegenüber.