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Karl der Große Der Frankenkönig Karl erkennt früh, dass er nicht nur die besten Krieger, sondern auch die besten Lehrer braucht. Die einen, um das Reich zu vergrößern, die anderen, um es zusammenzuhalten und zu regieren. Krieger gibt es viele bei den Franken, Lehrer nur wenige. Karl sammelt Begabte und Gelehrte – zumeist Mönche und Priester – und setzt sie in seinem Reich ein.
Aus vier Ehen hatte er acht legitime Kinder. Mehr als zehn hatte er mit seinen Konkubinen und "Friedelfrauen". Der fromme Mönch Alkuin tadelte sanft das rege Liebesleben des Königs, weniger sanft das seiner Töchter. Aber statt das muntere Flattern der "gekrönten Tauben" zu verbieten, duldete es der Vater mit freundlichem Wohlwollen. Schreiben und lesen lernte der Kriegerkönig Karl nie, aber er beschäftigte sich intensiv mit Mathematik und Astronomie. Latein und Griechisch beherrschte er so gut wie seine westfränkische Muttersprache. Alkuin nannte seinen königlichen Schüler "doctor" und "praedicator" (Lehrer und Prediger); an seiner Berufung als Mentor und Mahner der Kirche zweifelte sein Hofstaat nicht, am wenigsten er selbst. Bischöfe und Äbte ernannte der König nach Belieben, besonders brauchbare durften auch verheiratet sein. Karl erkennt, dass Reformen von Kirche und Staat eine Normierung der lateinischen Schriftsprache voraussetzen. Die Klöster mussten Schulen einrichten, in denen nicht nur zukünftige Kleriker, sondern auch begabte Laien unterrichtet werden. Die Äbte wurden aufgefordert, zwischen den Söhnen von Freien und Unfreien keinen Unterschied zu machen. Karl regierte mit Hilfe von Königsboten, die ständig bis in die äußersten Winkel des Reichs unterwegs waren und dem Herrscher nach ihrer Rückkehr berichteten. Paarweise – ein Kleriker und ein weltlicher – kontrollierten die Verwaltungen der Grafen und Bischöfe, die Krongüter und die Rechtsprechung. Sie konnten Verfahren an sich ziehen und gegebenenfalls zur Entscheidung an den Hof weitergeben. Sie überwachten die Einhaltung der Weisungen des Königs an Adel, Klerus und Volk. Geistliches und Weltliches war untrennbar verknüpft. Ab 802 mussten die Königsboten alle über 12-jährigen Freien vereidigen. Der Eid verpflichtete den Einzelnen auf die Treue zum Kaiser, zum Wehrdienst und zur Steuerzahlung. In den Bestimmungen für die Krongüter wurde festgelegt, was die Verwalter an den Hof zu liefern hatten, was sie anbauen und wie sie wirtschaften sollten. Dazu kamen Anweisungen zu Pferdezucht, Geflügelhaltung und Obstbau. Fast hundert Gemüse- und Heilpflanzen sind aufgezählt, die anzubauen waren. Konflikte mit dem 795 zum Papst gewählten Leo III. konnten nicht ausbleiben.. Es war ein Kampf um die Vorherrschaft über die Menschen im christlichen Abendland. Zugleich wohl auch ein Konflikt über die unterschiedlichen Ausprägungen der orientalisch-römischen und der keltisch-germanischen Herrschafts-Hierarchien. Papst Leo III. war wegen angeblicher Bestechlichkeit und Ämterschacher umstritten und angreifbar. Darum suchte er mit allen Mitteln das Wohlwollen des Frankenkönigs. Über das, was am Weihnachtstag 800 in Rom passiert, berichten die Annalen nur zurückhaltend. "Als Karl sich vor dem Altar betend neigte, setzte ihm Papst Leo eine Krone auf das Haupt. Alles römische Volk rief dazu: Karl, dem Erhabenen, dem von Gott gekrönten großen Friedenskaiser der Römer, Leben und Sieg." Sein Geheimsekretär und Biograph Einhard schrieb dazu: "Damals erhielt er die Titel Kaiser und Augustus, die ihm anfangs so zuwider waren, dass er sagte, er wäre an diesem hohen Fest nicht in die Kirche gegangen, wenn er Leos Plan gekannt hätte." Zuwider war ihm wohl, dass der windige Papst Leo ihn übertölpelt hatte, als er ihm eine Krone aufsetzte, die er aus eigenem Recht beanspruchen konnte. Denn sie bestätigte nur, was er längst war – Herr über Länder und Kirche des Abendlands. Zwölf Jahre später huldigten ihm Gesandte aus Konstantinopel als Imperator und Basileus. Diese Anerkennung als „gleichberechtigter Bruder" der byzantinischen Kaiser ist für Karl den Großen – Charlemagne – so wichtig, dass er dafür mit der Abtretung Venedigs bezahlt. Von den peinlichen Umständen seiner Kaiserkrönung abgesehen, hat er militärisch und außenpolitisch alles erreicht. Auch im Inneren des Frankenreiches war vieles gelungen, anderes nicht oder nur zum Teil. In Aachen war die Pfalzkapelle eingeweiht worden, ein im Norden noch nie gesehenes überkuppeltes Oktogon. Bei Mainz wurde eine hölzerne Brücke über den Rhein geschlagen, aber nach wenigen Jahren brannte sie ab, ihr Neubau aus Stein blieb in der Planung stecken. Am 11.September 813 gab er in Aachen seinen "kaiserlichen Namen" so weiter, wie er sich seine eigene Krönung vorgestellt hatte. Im Kreis der Großen des Reichs muss Ludwig, der einzig überlebende seiner drei legitimen Söhne, sich die Krone selbst aufsetzen. Karl der Große starb am 28.Januar 814. Zwei Jahre später warf sich Ludwig, den man "den Frommen" nannte, dreimal bäuchlings vor Papst Stephan IV. nieder und ließ sich salben. Das päpstliche Krönungsrecht wurde damit für lange Zeit bestätigt. Erst tausend Jahre später hat Napoleon dem Papst die Krone aus der Hand gerissen und sich selbst aufgesetzt. Mit dem Tod der Integrationsfigur begann das Frankenreich zu zerbröckeln. 870 wurde es durch den Vertrag von Mersen entlang den Sprachgrenzen geteilt. Was blieb war eine nationale Entwicklung der deutschen, französischen und italienischen Trümmerstücke. Das frühe geistig-kulturelle Vermächtnis des Abendlandes versank im Dunkel der Geschichte. Ludwig der Fromme hat das politische Erbe Karls des Großen – Europa – vertan. |
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