Home
Nach oben

Islamismus


Islamistisch – bei diesem Schlagwort denken viele Bundesbürger weniger an die im Grundgesetz garantierte Religionsfreiheit für jedermann als vielmehr an so genannte Schläfer oder finster dreinblickende Mullahs. Islamismus bedeutet weit mehr: Der Begriff steht für eine weit verzweigte gesellschaftliche und kulturelle Bewegung, die wachsenden Einfluss auf das Denken und das Alltagsverhalten gerade bei jüngeren Mitgliedern der islamischen Gemeinden ausübt. Hinter der pauschalisierenden Bezeichnung „Islamismus" verbergen sich zahlreiche Strömungen und vielfältige Ausdrucksformen. Gewaltbereite Gruppen stellen in diesem Kosmos nur eine Minderheit dar. Aber das Problem besteht darin, dass die Grenzlinien zu den bloß ideologisch orientierten Aktivisten nicht immer eindeutig erkennbar sind.

Der Islamismus verbreitet eine starke Botschaft, die sich nicht auf Hasspredigten gegen die westliche Welt reduzieren lässt. Wer sich mit ihm auseinandersetzen will, muss zunächst sein Denken, seine Redeweisen und seine Taktiken begreifen. Wer dies tut, erkennt, dass der Islamismus als eine offen operierende, politisch-kulturelle Bewegung auf Dauer eine größere Herausforderung für die westliche Verfassungsordnung sein könnte als der Terrorismus kleiner Gruppen.

Die große Weltreligion Islam darf nicht mit dem Islamismus gleichgesetzt werden. Der Islamismus ist eine politisch-ideologische Bewegung, denn er verspricht eine ideale Gesellschaft, in der alle Widersprüche der modernen Zeit aufgehoben und durch die Harmonie einer ganzheitlichen, gemeinschaftlichen Ordnung ersetzt werden.

Wahr ist aber auch, dass der Islamismus ohne seine inbrünstige Berufung auf die „einzig wahre" Religion nicht wirksam wäre. Daraus bezieht er einen Großteil seiner Anziehungskraft. Der Islamismus verspricht nicht bloß eine weltliche ideale Ordnung, sondern er kann darauf verweisen, dass sie durch den Willen einer höheren, unbezweifelbaren Macht verbürgt sei.

Die Botschaft des Islamismus lautet „Wir glauben, dass der Islam das beste aller Systeme auf Erden ist. Und wir glauben durch unsere geschichtliche, geografische und nationale Stellung, dass der Islam der einzig mögliche Weg ist, zu Selbstachtung, Stolz und Gerechtigkeit zu gelangen."

Ein solches Ziel lässt sich nicht allein durch Hasspredigten, durch Druck und Drohungen verfolgen. Die Präsentation dieser Botschaft muss deshalb zunehmend verfeinert, die sozialen und kulturellen Angebote müssen reichhaltiger werden. Damit werden sie für immer mehr moderne Muslime attraktiv. Nicht nur für die ungebildeten und verelendeten Underdogs.

Gilt alles, was Gott über den Propheten Mohammed offenbart hat, wörtlich und uneingeschränkt, auch die Scharia, das religiös begründete Recht des Islam? Die Antwort ist eindeutig. „Die Scharia ist das oberste Gesetz der Muslime." Was aber ist, wenn sie mit der Verfassung eines Landes wie Deutschland in Konflikt gerät, müssen sich Muslime dann trotzdem streng an sie halten? Die Antwort lautet, wer die Scharia nicht unter allen Umständen als sein oberstes Gesetz betrachtet, ist kein Muslim.