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Er veränderte die Welt


Im Jahr 2000 wurde Johannes Gutenberg als Medienrevolutionär gefeiert. Die amerikanische Zeitschrift Time wählte ihn zum Mann des Jahrtausends, denn ohne Zweifel hat er mehr bewegt, als viele Könige und Kaiser. Und doch ist er ein Phantom; obwohl im Jahr 2000 sein 600.Geburtstag gefeiert wurde, kennt man sein genaues Geburtsdatum nicht. Gerichtsurkunden, Schuldenzettel, einige seiner mutmaßlichen Werke - mehr ist nicht überliefert von Henchen Gensfleisch oder Henichen zu Gudenberg oder Johannes Gutenberg. Wie er aussah, was er alles erfunden hat, das weiß man nicht. Nachweislich starb er am 3.Februar 1468 in Mainz. Alles andere bleibt im Dunkel der Geschichte.

Journalist in unserem Sinne war er nicht. Aber er war Wegbereiter für alle Arten von Berichterstattung, weil er mit der Erfindung der „Buchdruckerkunst" die Grundlagen für eine schnelle und weite Verbreitung von Informationen und Wissen schuf. Das ist schließlich die Aufgabe, die ein Journalist in erster Linie hat.

Lange Zeit hielt man ihn für einen zwar genialen, aber doch sehr eigenbrötlerischen Handwerker, der mehr durch Zufall das dumpfe Mittelalter beendete und das Zeitalter der Aufklärung einläutete. Andererseits ahnen wir heute – „ohne Gutenberg kein Gates". Deshalb wurde er zum „man of the millennium" erklärt.

Es gibt einen Hinweis, als ob Gutenberg für seine Erfindungsarbeit den Begriff „aventur und kunst" geprägt hätte. Der Begriff stammt aus Straßburger Prozessakten des Jahres 1439, als Gutenberg mit den Erben eines verstorbenen Geschäftspartners um deren Ansprüche stritt. Hinter diesem Begriff verbergen sich wahrscheinlich die ersten, streng geheimen Druckversuche mit beweglichen Lettern.

Aus dem wenigen, was man über seine Lebensumstände weiß, wird klar - mit seinen technischen Innovationen wollte Gutenberg nicht die Welt verbessern, sondern Geld verdienen. Er spezialisierte sich auf die Rationalisierung von Produktionsprozessen. Bücher waren da nur eine Möglichkeit. Sein erstes Geschäft war die Massenfertigung von so genannten Pilgerspiegeln, kleinen Devotionalien aus Bleilegierungen. Das damit verdiente Geld und das gewonnene Know-how steckte er in eine andere Marktlücke, das "werck der bucher". Eine Menge von Einzelerfindungen ermöglichte ihm den Druck zunächst kleinerer Schriften, Kalenderblätter, Ablassbriefe und Ähnliches.

Um 1450 herum setzt er alles auf eine Karte und leiht sich 1600 Gulden (dafür bekam man in Mainz drei Häuser). Er beginnt das Riesenprojekt der Bibelproduktion. Innovativ ist er allerdings nur bei der technischen Produktion. Denn als Manuskript wählt er die längst überholte, fast 1000 Jahre alte Vulgata. Vielleicht entsprach die Wahl der Vorlage seinem Sicherheitsbedürfnis. Sein geschäftliches Wagnis lag vor allem anderen im technischen Bereich, denn da konnte er leicht scheitern. Die Komplexität seiner Erfindungen war für die damalige Zeit unüberschaubar.

Schon die Herstellung der Gussformen für die 290 Lettern dürfte mehr als ein halbes Jahr gedauert haben, die Herstellung der Drucksätze beschäftigte wahrscheinlich mehr als vier Schriftsetzer mindestens 300 Tage (den Beruf Schriftsetzer gab‘s damals noch gar nicht). Bis die 180 Bibeln fertig waren, dürften inklusive aller Vorarbeiten drei Jahre vergangen sein - so lange, wie ein klösterlicher Schreiber für die Abschrift einer Bibel brauchte.

Zwar sind alle gedruckten Exemplare identisch – aber sie sind doch Unikate, weil die Ausstattung mit Initialen und sonstigen Schmuckelementen dem Geschmack und Geldbeutel jedes Käufers selbst überlassen blieb.

Gutenberg verfolgte keine weltanschaulichen Ziele, aber er hat mit seiner Erfindung und ihrer Umsetzung die Welt verändert. Ohne den Buchdruck und die daraus folgende Möglichkeit der weiten Verbreitung hätte Luthers Denken nie seine Staats- und Kirchenerschütternde Macht gewinnen können. Das Zeitalter der Aufklärung wäre nicht vorangekommen – zumindest nicht im 15.Jahrhundert.

Und der Satz gilt – „ohne Gutenberg kein Gates" …