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Geld und Macht


Nach den Anfängen in den norditalienischen Stadtstaaten entwickelte sich in der zweiten Hälfte des 15.Jahrhunderts auch in Deutschland mit dem Frühkapitalismus eine neue Wirtschaftsform, die in den reichsfreien Städten von den reich gewordenen Bürgerfamilien getragen wurde. Die wichtigste und politisch einflussreichste deutsche Unternehmerfamilie im Spätmittelalter waren die Fugger. Als Angehörige der Augsburger Weberzunft waren sie zu Reichtum und Ansehen gekommen. Durch ihren Metallhandel und ihre Bankgeschäfte, durch ihre Geschäftsverbindungen mit den Habsburgern und mit dem Papst sind sie zur Weltgeltung aufstiegen.

Jakob Fugger war Europas mächtigster Kapitalist. Er gab dem Adel Kredit, durfte als Gegenleistung die Bodenschätze der fürstlichen Subsidien ausbeuten – und genoss den militärischen und rechtlichen Schutz seiner Schuldner. Jakob Fugger war diszipliniert und zielstrebig, kaltblütig und skrupellos. Durch seine Kreditpolitik hat er über Krieg und Frieden entschieden und Kaisern zu ihrer Krone verholfen.

Am Ende seiner Lebenszeit wurde er „der Reiche" genannt und als einer der bedeutendsten Unternehmer Europas angesehen. Reich wurde er mit einer längst bekannten Idee, die er zur absoluten Perfektion entwickelt: Er verlieh das Geld der Fugger-Familie an Herzöge, Könige und Kaiser – und verlangte als Sicherheit neben den Edelmetall-Förderrechten auch noch weit reichende Handelsprivilegien, die den üblichen Rahmen des damaligen Geschäftsgebarens überschritten.

Er gewährte Erzherzog Sigismund, dem Grafen von Tirol, umfangreiche Kredite und bekam dafür das Recht zur Ausbeutung der Kupfer- und Silberbergwerke. 1490 folgte Maximilian auf den Tiroler Fürstenthron, der seinerseits die Rechte des Jakob Fugger ausdrücklich bestätigte. Für Maximilian I., infolge seiner zahlreichen Unternehmungen ständig in Geldnöten, wurden die Gebrüder Fugger unter Jakobs Leitung immer unentbehrlicher. Erfolg oder Misserfolg diplomatischer und militärischer Aktionen hingen von dem Geld der Fugger genau so ab wie der Erwerb von Amt und Würden.

Für den Vatikan organisierten die Gebrüder Fugger die Finanzierung des Pfründen- und Gebührenwesens der katholischen Bistümer und finanzierten sogar den Ablasshandel vor. Mehrmals mischte sich Jakob Fugger bei Papstwahlen ein, wie er auch 1519 die Kaiserwahl Karls V. mit über 850.000 Dukaten Bestechungsgeldern finanzierte. Während seiner ganzen Regierungszeit blieb der Kaiser von der Finanzkraft des Hauses Fugger abhängig, während diesem die Autorität und der politische Erfolg des Habsburger Kaisers neue wirtschaftliche Entfaltungsmöglichkeiten boten.

40 Jahre später betrug der Firmenwert der Fugger sechs Millionen Gulden, was damals annähernd zehn Prozent des Volkseinkommens des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation entsprach. Die Augsburger Fugger waren zum größten europäischen Konzern geworden, der nur mit Hilfe der in Italien entwickelten doppelten Buchführung überblickt werden konnte. Die Umsätze und der Ein- und Ausgang der Waren wurden sorgfältig dokumentiert. Nicht weniger sorgfältig organisierte Jakob das Archiv mit allen Verträgen und Schuldscheinen. Vervollständigt wurde das System durch einen europäischen Nachrichtendienst mit vielen bezahlten Agenten.

Gegen Ende des 16.Jahrhunderts geriet das Unternehmen Fugger, vor allem wegen hoher Verluste bei mehreren spanischen Staatsbankrotten, an den Rand des Ruins. Die Familie Fugger zog sich daraufhin aus der Hochfinanz auf ihre Güter und Herrschaften zurück.