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freier Wille?


Mit der Frage, ob die Menschen einen freien Willen haben, beschäftigt sich die Philosophie seit die Menschen begonnen haben, über sich selbst nachzudenken. Die Antworten waren immer unterschiedlich, nicht zuletzt deshalb, weil sie über die Selbsteinschätzung des Einzelnen geurteilt haben. Es macht einen Unterschied, ob man einen freien Willen hat, oder ob der „eigene" Wille durch äußere Umstände beeinflusst oder sogar völlig fremd bestimmt wird. Oder noch desillusionierender – sind es etwa gar die Hormone, die uns sagen, was wir zu wollen haben?

Sigmund Freud und die Psychoanalyse sind genau so ein Teil dieser Diskussion, wie auch die Fragestellung der antiken griechischen Philosophen, ob in einer Welt, in der Ursache auf Ursache folgt, überhaupt Platz für einen freien Willen sein könnte. Die Zweifel daran sind offenbar genau so alt wie die Idee des freien Willens selbst.

Ach die moderne Wissenschaft hat längst eindeutig Stellung bezogen. Aufgrund experimenteller Befunde erklären die Neurobiologen „der freie Wille ist eine Illusion." In einem öffentlichen Disput zwischen einem evangelischen Bischof und einem Professor des Max-Planck-Instituts für Hirnforschung erklärte der Bischof den absoluten Vorrang des göttlichen Willens gegenüber der menschlichen Willensfreiheit. Der Neuro-Professor dagegen betonte, dass alle mentalen Prozesse auf rein materiellen Vorgängen beruhten. Bei der Erforschung von Gehirnen sei nirgendwo ein mentales Agens wie den freien Willen oder die eigene Verantwortung zu finden.

Was bei diesem Disput wie ein Widerspruch aussah, ist in Wirklichkeit keiner. Denn was der Professor aufgrund materieller Vorgänge ausschloss, hat auch der Bischof aufgrund des Vorrangs göttlichen Willens ausgeschlossen. Wissenschaft und Religion sind beide deterministisch – „es gibt keinen freien menschlichen Willen".