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Die Finanzkrise Man hat den Eindruck, die Welt ist derzeit in einem bedenklichen Zustand. Diesen Eindruck teile ich nicht, denn die Welt, wie wir sie kennen, war immer in einem bedenklichen Zustand – mal mehr, mal weniger. Krisen gab es in fast regelmäßigen Abständen schon immer – und jedes Mal war es in der veröffentlichten Wahrnehmung das denkbar Schlimmste, was man je erlebt hatte. Und jedes Mal wurde von Verbesserungen des Systems, von strengeren Regeln und – natürlich – von Ethik und Moral geredet. So wird es wohl auch diesmal sein, auch wenn es bis zur Normalisierung etwas länger dauern könnte. Jetzt wird nach verantwortlichen Schuldigen gesucht. Die mag es auch diesmal geben, genau so wie es seit allen Zeiten Kriminelle gegeben hat. Aber es geht nicht um die relativ wenigen Kriminellen, sondern es geht um die vielen Verantwortlichen, die abseits ihrer Verantwortung den Forderungen und Wünschen breiter Massen gefolgt sind und die wider besseres Wissen darin die Rechtfertigung für ihr Handeln gesehen haben. Dahinter stand die Gier nach mehr und immer mehr . Wohlgemerkt die Gier von allen. Das entlastet die Verantwortlichen zwar nicht, aber sie werden sich aus der Gier der vielen anderen ihr eigenes Unschuldsbewusstsein zimmern.Für die Erklärung der Krisen-Ursachen gibt es einige Paradigmen, die durchaus bekannt sind, die aber absichtsvoll übersehen werden. Zum Beispiel, dass sich in den letzten 25 Jahren die Schaffung von Gütern und Dienstleistungen ver"vier"facht hat, die Menge an Geld – nicht etwa die Scheine und Münzen, sondern das was nur auf dem Papier steht – dagegen hat sich ver"vierzig"facht. Dass sich eine solche Blase irgendwann überdehnt und platzt ist nur zu verständlich. Auch die unvorstellbare Menge an Schwarzgeld gehört dazu. Etwa 18 Prozent des gesamten jährlichen Volkseinkommens – das sind rund 300 Milliarden Euro – werden verschwiegen und an der steuerlichen Erfassung vorbeigeführt. Das ist nicht nur das Schwarzgeld von Millionenbetrügern wie Zumwinkel und anderen, sondern der weit größere Teil kommt von ganz normalen Menschen, die ohne jedes Unrechtsbewusstsein dem Volkssport Steuerhinterziehung frönen. Nicht zu vergessen jene, die sich durch Versprechungen von zweistelligen Zinsen zum Kauf von Derivaten und anderen Finanz-Konstrukten von verantwortungslosen Bänkern gerne überreden lassen. Da fragt man sich, durch was die Kaufentscheidung beeinflusst wurde – wirtschaftliche Vernunft kann es jedenfalls nicht gewesen sein. Aus diesen wenigen Paradigmen kann man ersehen, dass die Überwindung der Krise vor allem anderen nur durch die Herstellung eines Gleichgewichts erreicht werden kann. Das bedeutet nicht die Einführung einer Tauschwirtschaft, wie sie unter Naturvölkern üblich war. Aber es sollte bedeuten, dass Geld der Gegenwert von Arbeit ist – und nichts sonst. Arbeit und Geld müssen wieder ins Gleichgewicht kommen. |
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