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Unaufhebbar


Wir sollten die Tatsache sehen, dass die Probleme der zukünftigen Entwicklung in ihren wesentlichen Teilen sozusagen "naturbedingt" sind. Naturbedingt ist sicher das falsche Wort - ich meine damit die demografische Entwicklung, die auf dem generativen Verhalten der Bevölkerung und auf der enorm gestiegenen Lebenserwartung beruht. Dies erfordert Anpassungen in allen Politikbereichen, die in ihrer Größenordnung etwas völlig neues sind.

Die erforderlichen Anpassungen sind weniger die innovativen Gestaltungen der Zukunftserwartungen, als vielmehr der Rückbau von Vorhandenem, das in dieser Größenordnung nicht mehr gebraucht wird, weil die Menschen fehlen. Oder weil die altersbedingten Einrichtungen den künftigen Bedarf der jeweiligen Altersklasse weit übersteigen. Das betrifft nicht nur die Notwendigkeit, Kindergärten in Seniorentagesstätten umzugestalten, sondern die gesamte technische und ideelle Infrastruktur ist davon betroffen.

In engeren Zirkeln wurde darüber schon vor 30 Jahren diskutiert - leider ohne Folgen. Die Erkenntnisse von damals sind die gleichen wie heute. Aber die notwendigen Entscheidungen wurden auf die lange Bank geschoben. Wie das meistens bei schleichenden Entwicklungen so ist. Man glaubt immer, man habe auch morgen noch Zeit dazu, die notwendigen Anpassungen vorzunehmen.

Diese Versäumnisse sind zu einem kleinen Teil schon der Regierung Schmidt (SPD) anzulasten, die größere Schuld trifft allerdings die Regierung Kohl (CDU), die - wie es scheint - die warnenden und immer lauter werdenden Hinweise der Wissenschaft bewusst ignoriert hat.

Es ist nicht möglich, mit Laborieren am Symptom die demografische Entwicklung mittelfristig in sozialökonomisch erträgliche Bahnen zu lenken. Der gegenwärtige Zustand einer unausgewogenen Zusammensetzung der Bevölkerung wird uns noch sehr lange begleiten. Auch Zuwanderung in größerem Stil bringt uns keinen Schritt weiter.

An diesen unaufhebbaren Tatsachen werden auch die künftigen Bundesregierungen scheitern. Alle Politikbereiche sind davon betroffen. Auch die Wirtschaft wird sich daran orientieren. Mit der Bevölkerungszahl verkleinern sich die Märkte, mit den Märkten verschwinden auch die Arbeitsplätze, weil sie nicht mehr adäquat besetzt werden können. Diese gesamtwirtschaftliche Entwicklung ist bei uns längst im Gange.

Ständige Regierungswechsel von Wahlperiode zu Wahlperiode werden auch bei uns zur Gewohnheit werden, wie es in anderen Staaten - nicht immer aus den gleichen Gründen - längst der Fall ist.

Das Problem Bevölkerungsverlust ist nur sehr langfristig durch eine Verbesserung der Nettoreproduktionsrate lösbar, also die Zahl der neugeborenen Mädchen pro Mutter. Aber das würde eine Veränderung der Lebenseinstellung der Frauen notwendig machen.