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Eroberer


Der Überschuss an unversorgten, aber kampffähigen jungen Männern war eine entscheidende Triebfeder für die Kreuzzüge und für die Eroberung der neuen, im frühen Mittelalter unbekannten Welt durch Portugiesen, Spanier, Holländer und Engländer.

Es ging den Eroberern nicht um Religion oder Ideologie, sondern um die Eroberung von Territorien, in welchen sie Führungspositionen und Pfründe besetzen konnten. Islamische Fanatiker, christliche Kreuzfahrer und marxistisch-leninistische Weltrevolutionäre sind in dieser Grundeinstellung völlig gleich. Wenn sie ihre Eroberungsziele erreicht hatten kümmerten sie sich kaum noch um Religion und Ideologie, sondern vor allem ums Geschäft und ihre gesellschaftspolitischen Interessen. Und da stören Kriege und ideologischer Fundamentalismus.

Ausgangspunkt dieser Entwicklung war der Umstand, dass es sich bei den unversorgten jungen Männern um nachgeborene Söhne handelte, die demzufolge von der direkten Erbfolge ausgeschlossen waren. Das Erbe der Familie fiel ausschließlich dem erstgeborenen Sohn zu. Die nachgeborenen Söhne mussten sich mit wesentlich weniger – Militärdienst oder Klerus – bescheiden, von der aus dem Besitz erwachsenden Macht und dem wirtschaftlichen und politischen Einfluss waren sie ausgeschlossen. Eine Lebenssituation, in der die Gedanken an Brudermord gedeihen konnten, denn dies schien für viele der einzig mögliche Weg aus der Benachteiligung.

Die staatlichen Gebilde des Mittelalters hatten also ein demografisches Problem, das in ihren ausschließlich auf Besitz gegründeten Gemeinwesen für fortwährende Unruhe und Unsicherheit sorgte. Die Machthaber – Adel und Klerus – mussten Möglichkeiten suchen, ihre kampffähigen jungen Männer zu beschäftigen oder zu dezimieren, oder ihnen Besitz, Macht und Einfluss zu verschaffen. Die Kreuzzüge und die Eroberung der neuen Welt erfüllten in der Sicht der mittelalterlichen Machthaber diese Anforderungen.

Die Geschichte der Neuzeit und ihre Welteroberungen ist primitiv und brutal trotz des hohen transzendentalen Anspruchs, der wie eine fromme Tünche über die habgierigen Ziele gelegt wurde. Die Eroberer der neuen Welt wollten keine habgierigen Räuber und Mörder sein, sie verbargen ihre Ziele hinter dem Anspruch, Land für ihren König und Menschen für das Christentum gewinnen zu wollen. Wenn sich diesem Ziel Widerstände entgegenstellten, weil die Eingeborenen ihr Land behalten und keine Christen werden wollten, dann mussten sie getötet werden. Aber das geschah dann um ihrer hehren Ziele willen, sie blieben ehrenwerte Männer, weil ihr Verhalten und ihr Handeln unter dem Segen der Kirche standen.