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Entente cordiale


Die europäische Politik änderte sich schon viele Jahre vor dem ersten Weltkrieg. Viele Historiker schreiben vom deutschen Ungeschick in der internationalen Diplomatie. Insbesondere scheint die anmaßende Art des deutschen Kaisers ein Hinderungsgrund für diplomatische Bündnisse gewesen zu sein.

1904 besiegelte die zwischen den Rivalen England und Frankreich geschlossene „Entente cordiale" eine Wende in der europäischen Politik. Die deutsche Reichsregierung war fest davon überzeugt, dass sie mittels einer „Politik der freien Hand" von den Spannungen zwischen England und Frankreich sowie zwischen England und Russland profitieren könnte. Die Problempunkte waren die Beziehungen zum Osmanischen Reich und China. Ein Zusammengehen mit Russland erschien deshalb wünschenswert. Großbritannien musste sich entweder mit Frankreich und Russland oder aber mit dem Deutschen Reich arrangieren.

Ende März 1898 berichtete der deutsche Botschafter in London, Graf von Hatzfeld-Wildenburg, über ein Gespräch mit dem Kolonialminister Joseph Chamberlain, der als der starke Mann des britischen Kabinetts galt. Der Minister hatte dabei den Abschluss eines englisch-deutschen Bündnisses vorgeschlagen.

Die deutsch-britischen Verhandlungen kamen Anfang 1901 in Gang. Reichskanzler Bülow ließ sie allerdings scheitern, weil er ausgerechnet den eifrigsten Befürworter eines deutsch-englischen Bündnisses, Chamberlain, in seiner berüchtigten „Granitbeißer-Rede" öffentlich abkanzelte. Wer immer Deutschlands Position kritisiere, der werde „auf Granit beißen". Diese Ungeschicklichkeit hatte schon bald dazu geführt, dass die britische Boulevardpresse mit antideutscher Agitation begann und eine Zusammenarbeit mit Frankreich und Russland befürwortete. Im April 1904 wurde dann der als Entente cordiale bekannt gewordene Vertrag unterzeichnet.

Die Zuspitzung des deutsch-englischen Gegensatzes begann nun auch den seit 1882 bestehenden deutsch-österreichisch-italienischen Dreibund zu schwächen. Italien musste wegen seiner langen ungeschützten Küste eine Konfrontation mit der Seemacht Großbritannien vermeiden. Bereits 1902 schloss es ein Geheimabkommen mit Frankreich, in dem es sich verpflichtete, im Falle eines deutsch-französischen Krieges neutral zu bleiben.

Die Bildung der Entente war eine klare selbstverschuldete Niederlage der deutschen Diplomatie. Außerdem weckte die deutsche Expansion nach dem Fernen Osten – Besetzung des chinesischen Kiautschou – auch in Russland Argwohn. Die Regierenden des Kaiserreiches glaubten, die Annäherung zwischen Großbritannien, Frankreich und Russland laufe auf eine Einkreisung Deutschlands hinaus. Reichskanzler Bülow und Außenminister Holstein versuchten in dieser psychologisch unglücklichen Situation, die französische Expansion nach Marokko durch militärische Drohungen zu stoppen. Das war eine weitere Ungeschicklichkeit. So erlitt das Deutsche Kaiserreich auf der internationalen Marokko-Konferenz 1906 im spanischen Algeciras eine bittere Niederlage. Deutschland hatte sich selbst isoliert. Der „Panther-Sprung nach Agadir" war ein Sprung ins Leere …