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Die Nachgeborenen Der so genannte „Jugendboom" ist die überproportionale Ausstülpung (bulge) der Alterspyramide bei den 15- bis 24-jährigen. Ein youth bulge findet sich überall dort, wo die 15- bis 24-Jährigen und die Kinder (bis zu 15 Jahren) mindestens 30 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen. In Deutschland zum Beispiel umfasst die Alterskohorte der 15- bis 24-Jährigen gegenwärtig (2003) nur 10 Prozent. In ausgewählten vierzig Ländern der islamischen und schwarzafrikanischen Welt wird sie bis 2020 sogar 30 Prozent ausmachen. Diese jungen Männer aus der dritten Welt sind nicht durch Hunger geschwächt, dann wären sie für den Rest der Welt keine Gefahr, sondern würden apathisch vor sich hin vegetieren. Sie sind intelligent, hart und einsatzbereit. Oft genug sind sie auch durch die Koranschulen auf den Dschihad – den heiligen Krieg gegen die Ungläubigen – vorbereitet. Sie sehen ihre Zukunft im Krieg und in der Gewalt, denn nur dadurch können sie sich mit all dem versorgen, was sie sich wünschen. Was sie jedoch nicht wissen – die Position, die sie sich wünschen, wird es für die meisten nicht geben. Das ist das Biotop, in dem Terrorismus und Verbrechen gedeihen. Die jungen Männer gehen in die Fremde – als illegale Einwanderer in die Industrieländer, oder als Guerillakämpfer, als Söldner, als Glücksritter oder als Terroristen. Die Zentren der islamischen Welt – Pakistan, Afghanistan, Westjordanland – sind voll von jungen Männern, die Ansprüche und Erwartungen haben, aber keine wirkliche Aussicht auf soziale Anerkennung. Keiner braucht sie wirklich, und das spüren sie auch. So sind sie leicht verführbar durch Versprechungen im Diesseits und im Jenseits. Und so sind diese radikalisierbaren Halbwüchsigen ein Millionenheer gewaltbereiter Krieger für islamistische Ziele. Bei den Söhnen in den Industrieländern handelt es sich meist um die einzigen Söhne der Familie. Sie wird man kaum in einem mörderischen Krieg opfern wollen. Ein einzelner Sohn kann damit rechnen, daß er den Job oder den Besitz seines Vaters erbt. Die eventuellen zweitgeborenen Söhne müssen deshalb nicht am Hungertuch nagen. Für sie gibt es in der so genannten ersten Welt viele Möglichkeiten, Karrieren zu machen. Besitz hat in der Wissensgesellschaft längst seine frühere, archaische Bedeutung verloren. Bei den Söhnen in den Entwicklungsländern handelt es sich überwiegend um Zweit-, Dritt- oder noch später Geborene, für die es weder einen angemessenen Job noch eine sonstige Perspektive gibt. Solche Söhne kann ein Land leicht entbehren. Im Gegenteil, manche Regierung ist froh, wenn die Unruhestifter, die sich zu kriminellen Banden oder als Bürgerkriegsmilizen zusammenschließen, das Land verlassen. Also liegt es nahe, diese Überzähligen als Flüchtlinge außer Landes zu treiben, oder ihnen Ziele zu geben, bei deren Verfolgung sie ihr Leben verlieren. Die USA verfügen nur über 30 Millionen Söhne in diesem Alter. Die übrigen OECD-Staaten haben noch einmal 70 Millionen Söhne. Es stehen also 100 Millionen Söhne in den Industrieländern 900 Millionen Söhne in den Entwicklungsländern gegenüber. |
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