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Die Kurpfalz


Geschichte, Personen, Ereignisse

Geschichte beschreibt Ereignisse. Ereignisse gründen sich auf Personen, die – gewollt oder ungewollt – den Lauf der Geschichte beeinflussen. So war es auch mit dem Anlass für den pfälzisch-französischen Erbfolgekrieg, der zehn Jahre dauerte, die Pfalz verwüstete und darüber hinaus viele Städte im rechtsrheinischen Süddeutschland zerstörte.

Elisabeth von der Pfalz war eine viel bewunderte Glanzfigur, die vielleicht in Wirklichkeit eher tragisch als glanzvoll war. Angeblich gegen ihren Willen mit dem Herzog von Orleans, dem Bruder des Sonnenkönigs Ludwig XIV., verheiratet, gehörte sie zur Spitze des französischen Königshauses. Sie war ungewöhnlich schreibfreudig und schilderte in etwa 60.000 Briefen an ihre deutschen adeligen Verwandten das Leben und Treiben und die Sitten und Unsitten am französischen Hof.

Die Tragik begann 1685 als Pfalzgraf Karl von Pfalz-Simmern kinderlos verstarb. Elisabeth von der Pfalz war die Schwester und obwohl sie angeblich auf ihr Erbe verzichtet hatte, erhob Ludwig XIV. in ihrem Namen Anspruch auf die gesamte Pfalz. Drei Jahre lang ließ der französische König seine Diplomaten und Juristen um die Pfalz kämpfen. Im September 1688 schickte er schließlich seine Truppen los und ließ sie ohne Kriegserklärung in die Pfalz einmarschieren.

Die andere Person, die in dieser Zeit in der Kurpfalz Geschichte machte, war der französische General Comte de Mélac. Keine Glanzfigur, kein Kriegsheld mit hohen soldatischen Tugenden, sondern von beispielloser bösartiger Brutalität. Einer, der sich unter den wohlwollenden Blicken seiner Auftraggeber bereitwillig und mit sadistischer Freude die Hände schmutzig machte. In der Gunst seiner Auftraggeber stand er nie. Es gibt kein Gemälde von ihm – ungewöhnlich für einen General. Kein Kriegsmuseum erinnert an seine Taten – auch das ist ungewöhnlich für Frankreich.

Mélac war Gouverneur von Schleiden als er Anfang April 1688 den Marschbefehl zur Rheinarmee bekommt. Die französischen Truppen dringen auch ins Rechtsrheinische vor, Heilbronn und Heidelberg werden erobert, Philippsburg, die einzige deutsche Festung am Oberrhein, fällt am 30.Oktober, Mannheim kapituliert am 10. November 1688. Mélac unternimmt Züge sogar bis in die 120 Kilometer weit entfernte Reichsstadt Donauwörth. Marbach und Schorndorf sind weitere Stationen.

Zum Jahreswechsel 1688/1689 taucht Mélac in Heidelberg auf, zieht die Bergstraße entlang und ins Neckartal. Auch Ladenburg wird in Schutt und Asche gelegt. Auf Befehl von Kriegsminister Louvois beginnen die Truppen Mélacs in Heidelberg am 16.Februar mit der Sprengung des Schlosses, am 2.März wird die Stadt in Brand gesteckt.

Am 8. März 1689 ist Mannheim an der Reihe. Hier, am strategisch wichtigen Zusammenfluss von Rhein und Neckar, versucht das französische Militär alles Leben systematisch auszulöschen und den vertriebenen Bewohnern jede Rückkehr unmöglich zu machen.

Mélac gehorcht den Befehlen aus Paris bedenkenlos. So ist es sein Name, der zum Inbegriff der planmäßigen Zerstörung wird. Frankenthal, Worms, Speyer und zahlreiche Dörfer im Linksrheinischen werden in Brand gesetzt. Im Rechtsrheinischen trifft es Bretten, Maulbronn, Pforzheim, Baden-Baden und viele andere Orte mehr. In Esslingen ist aktenkundig, dass Mélac eine junge Pfarrerstochter vergewaltigt haben soll. (Nach einer anderen, ebenfalls historisch verbürgten Darstellung, soll der Rat der Stadt Esslingen die besagte Pfarrerstochter gebeten haben, dem General zu Willen zu sein, damit die Stadt verschont werde.)

Unklar ist bis heute, ob hinter diesem Terror ein Kriegsplan stand. Was als lokaler Angriffskrieg gegen die Kurpfalz begonnen hat, entwickelte sich zu einem gesamteuropäischen Konflikt, in dem sich die deutschen Reichsstände zusammen mit England und Spanien gegen die Franzosen stellen. Jetzt geht es Ludwig XIV. und seinen Kriegsherren darum, am Rhein eine wüste Fläche zu hinterlassen, die es den vorrückenden Feinden unmöglich machen soll, sich aus dem Land zu verproviantieren.

Der Frieden von Rijswijk 1697 bringt Frankreich einige territoriale Gewinne. Ludwig XIV. bekommt Straßburg, das Elsass und Landau, das damals eine strategisch wichtige Festung war. In Landau residiert der zum Generalleutnant beförderte Mélac. Von dort aus terrorisiert er weiter die Pfälzer und die Badenser auf beiden Seiten des Rheins. Seine Brutalität bricht immer wieder durch.

Für Frankreichs Armee war Mélac keine Ruhmesgestalt – die Franzosen haben ihn damals und heute gerne vergessen. Aber im deutschen Südwesten wurde sein Name zum Inbegriff des Bösen.