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Die Kreuzzüge


Für die Kreuzzüge gab es mehrere Gründe, einer davon war das „Schisma" in Jahre 1054, als sich die griechische Ostkirche endgültig von der lateinischen Westkirche abspaltete. Die Westkirche und der Papst hatte ihren Sitz in Rom, die Ostkirche und ihr Patriarch in Konstantinopel. Das war auch die kaiserliche Hauptstadt des byzantinischen Reiches, in dem das „griechische" Christentum Staatsreligion war. Westeuropa war zwar konfessionell eine Einheit, politisch zerfiel es in viele Mächte. Die wichtigste Macht war das Heilige römische Reich deutscher Nation. Es umfasste etwa das Gebiet von Deutschland, Österreich, der Schweiz, Burgund und den oberen Teil Italiens einschließlich Roms.

Ein weiterer Grund waren die türkischen Eroberungen in Kleinasien, wodurch das Oströmische Reich in seinem Bestand gefährdet war. Außerdem drohte der Pilgerweg nach Jerusalem abgeschnitten zu werden. Der Ursprung der Kreuzzüge wurzelte einerseits in einer wachsenden Kampfbereitschaft innerhalb der Christenheit, nachdem Syrien und Palästina in der Mitte des 11.Jahrhunderts durch die moslemischen Seldschuken erobert worden waren. Andererseits waren die Kreuzzüge entgegen der pathetischen christlichen Begründung aber auch ein Expansionsunternehmen der westeuropäischen Feudalherren. Ritter und Edelmänner nutzten sie zur Vermehrung ihres Grundeigentums und ihrer Macht; die nichtfeudalen Händler erhielten durch sie einen reichen kommerziellen Ansporn.

Das 11.Jahrhundert, an dessen Ende Papst Urban II. zu den Kreuzzügen aufgerufen hatte, war für Westeuropa eine Zeit tiefgreifender Umwälzungen. Es gab neue Ackerbaumethoden mit mehr Intensivkulturen, die Dreifelderwirtschaft breitete sich aus; die Landwirtschaft vermochte auf diese Weise mehr Menschen zu ernähren. Dadurch stiegen die Bevölkerungszahlen, neue Siedlungen entstanden, die Städte wurden größer. Aber trotz der ertragreicheren Ackerbaumethoden konnte die Nahrungsmittelproduktion mit der schnell wachsenden Bevölkerung nicht mehr Schritt halten. Dazu kamen die Konflikte zwischen den grundbesitzenden Adligen und den unfreien Bauern, die das Land bestellten und mit immer höheren Abgaben belastet wurden.

Papst Urban II. hatte auf der Synode zu Clermont die Armen und die Reichen zum Kreuzzug für die Befreiung des heiligen Landes aufgerufen. Gemeint hatte er vor allem die französischen Ritter. Aber die aufgeheizte Stimmung erfasste breite Volksmassen, die undiszipliniert und marodierend das Land in Richtung Osten durchquerten und deren fanatischer Hass sich zunächst gegen die heimischen Nichtchristen, die Juden, richtete. Die Kreuzzugsbewegung wurde von den ersten schweren Judenpogromen des Mittelalters begleitet.

Die Auswirkungen der Kreuzzüge wurden fast ausschließlich in Europa spürbar, nicht im Nahen Osten. Die Kreuzzüge unterstützten den Handel italienischer Seefahrer-Städte, diese errichteten Handelszentren, die für Jahrhunderte den Orienthandel organisierten.

Die mitteleuropäischen Städte wurden zu Zentren für Handel und Gewerbe und erhielten dadurch wirtschaftliche Macht. Die Städte strebten danach, sich selbst zu verwalten und von den feudalistischen Adelsstrukturen unabhängig zu werden. Diese Prozesse schichteten die Einkünfte und die Vermögen um. Dazu kam ein Erbrecht, das den Grundbesitz immer weiter zerstückelte und unwirtschaftlich machte. Die Bildung von Ritter-Orden war die Folge, die ihre Mitglieder zur Armut und zur Ehelosigkeit verpflichtete, so dass sich die Frage nach Erbteilung nicht mehr stellte. Es gab Gewinner und es gab Verlierer. Zu den Verlierern gehörten nicht nur viele Bauern, sondern auch Angehörige des niederen Adels. Diese wuchsen zu einer breiten Schicht von Unzufriedenen heran. Der Ruf nach Reformen wurde laut, im weltlichen Bereich, und auch in der Kirche.

Nach dem letzten Kreuzzug – gescheitert wie alle vorhergehenden – war es bis zur Reformation nicht mehr weit.