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Die Kommune Die Beschäftigung mit der Pariser Kommune wirft mehr Fragen auf, als sie beantwortet. War sie der Versuch einer großen sozialen Revolution, gewachsen auf dem Boden der sozialistischen Idee, wie sie von den Vorkämpfern des Sozialismus im 19.Jahrhundert gedacht wurde? War sie - so ungewöhnlich schon die Frage klingen mag - der spontane Aufstand unterdrückter Massen? Wurde die Kommune geboren aus purem Chauvinismus, weil der französische Nationalstolz durch die Niederlage gegen die. Preußen schwer gedemütigt wurde? War sie der Versuch einer bürgerlichen Revolution, die vollenden sollte, was Robespierre und anderen nicht gelang?
Sicher ist eines - von langer Hand geplant und vorbereitet war diese Revolution nicht. Mehr Vernunft und weniger Emotion hätte der Entwicklung des Jahres 1871 eine völlig andere Richtung geben können. Der Zufall spielte eine bedeutende Rolle. Der kosmopolitische liberale Geist der französischen Hauptstadt war im 19.Jahrhundert der ideale Nährboden für viele große Gedanken - in diesem Falle war er auch das Pulverfass, in das eine brennende Lunte fiel. Auch ist die Frage aufzuwerfen - bei der Vielzahl der Einflüsse muss dies gestattet sein - ob die Gründung des Deutschen Reiches in VersailIes an! 19. Januar 1871 dabei eine Rolle gespielt haben könnte. Wäre es nicht denkbar, dass die Franzosen ihr Land schon als eine Provinz des siegreichen deutschen Kaiserreiches, ihre Hauptstadt Paris als Hauptstadt einer deutschen Provinz gesehen haben? Elsass und Lothringen waren abgetrennt, der deutsche Kaiser wurde in Frankreich gekrönt. Musste das nicht an Karl den Großen erinnern? Auf der Suche nach dem auslösenden Faktor zur Konstituierung der Kommune bleibt eigentlich nur die Austerity-Politik der Regierung Thiers. Abgesehen davon, dass die Politik finanzieller Beschränkungen in der damaligen Lage Frankreichs wohl die einzig richtige gewesen wäre, bleibt die Tatsache unumstritten, dass die verordneten harten Einschränkungen und Eingriffe in das private und wirtschaftliche Leben den Protest und den Widerstand breitester Volksschichten hervorrufen musste. Auf den Wogen dieses empörten Protestes schwimmend, konnten alle Ideen vertreten werden: Die nationalstolzen Chauvinisten wollten den Kampf bis aufs Messer gegen die Preußen, die Republikaner wollten die Republik und waren deshalb gegen Thiers, den sie des Monarchismus verdächtigten, die Sozialisten verschiedenster Ausrichtung wollten jetzt ihren Sozialismus verwirklichen, die Anarchisten wollten das Rätesystem schaffen, in dem sie endlich auch mitreden durften. All dies zeigt eine emotionsgeladene Stadtbevölkerung, bereit zum Mitreden und Mitmachen, solange es nicht zu gefährlich war. Das Fehlen entschlossener Führer, die Handlungsunfähigkeit der zweifellos hochbegabten sozialistischen Theoretiker, der Opportunismus vor allem des Kleinbürgertums musste die Kommune zum Scheitern bringen Die Kommune scheiterte vor allem an sich selbst. Zum Schluss - und auch das muss gesagt werden - blieben nur die Sozialisten und jene übrig, die um nichts weiter als um ihr Leben kämpften, weil sie von Thiers nur den Tod zu erwarten hatten. Die Sozialisten - vielleicht unabsichtlich in ein Abenteuer geschlittert, das sie nicht wollten, denn die Proudhonisten waren sicher keine Revolutionäre - blieben ihrer Idee treu, bis diese Idee auf der letzten Barrikade verlosch. Die Denkweise der Kommunarden jedweder politischer Prägung und die Entwicklung des damaligen politisch-gesellschaftlichen Geschehens sind nur schwer zu verstehen. Man muss sich vorstellen, das besiegte französische Kaiserreich verbündet sich mit den siegreichen deutschen Königreichen gegen die Pariser Bevölkerung aller Klassen und Schichten, weil diese gegen die Kapitulation und die Reparationen aufbegehrten und deshalb weiterkämpfen wollten. Die kaisertreuen französischen Truppen machten in Straßenkämpfen und mit Kanonen ihre eigenen Landsleute nieder – zehntausende Pariser Kommunarden wurden standrechtlich erschossen. Die deutschen Truppen hielten still und ließen ihre französischen Brüder gewähren. Sicher war der Aufstand der Pariser Kommunarden keine Sache der französischen Arbeiterbewegung. Aber der weitere Weg der europäischen Arbeiterbewegungen war von da an in eine bestimmte Richtung gedrängt. Vieles wirkte fort bis in die heutige Zeit. Der Mai 1968 in Paris, in der Bundesrepublik die so genannte Außerparlamentarische Opposition und die RAF-Terroristen zehrten davon. Sie finden ihre geistige Entsprechung in einem Zitat von Eldridge Cleaver: „Wir werden Menschen sein. Wir werden es sein, oder die Welt wird dem Erdboden gleichgemacht bei unserem Versuch, es zu werden." Das ist eine Grundhaltung, die jede humanistische Tendenz vermissen lässt, der seine ganze Hoffnung auf Gewalt und Revolution setzt. Ein Weg, der in die Irre führt. Es gibt auch andere Hoffnungen. Hoffnungen, die Entfremdung des Menschen aufzuheben und seine Selbstverwirklichung zu ermöglichen. Wir finden sie in einem Zitat aus „Populorum progressio" von Papst Paul VI.: „Manche mögen solche Hoffnungen für utopisch halten. Es könnte aber sein, dass sich ihr Realismus als irrig erweist, dass sie die Dynamik einer Welt nicht erkannt haben, die brüderlich leben will, die sich trotz ihrer Unwissenheit, ihrer Irrtümer, ihrer Sünden, ihrer Rückfälle in die Barbarei, ihrer weiten Abwege vom Wege des Heils, langsam, ohne sich darüber klar zu sein, ihrer Vollendung nähert." |
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