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Luxus vergangener Zeiten


Für einen Tages-Ausflug ist die Bourgogne in Frankreich (zu deutsch Burgund) eigentlich zu weit. Übernachtung muss man einplanen, so dass die Suche nach einem angemessenen Hotel auch Teil dieser Fahrt ins Blaue war. Besuchsziel waren die Klosterruinen von Cluny – alles andere war dem Zufall überlassen. Denn ungeplante Entdeckungen sind sehr viel interessanter. So haben wir auch Cormatin gefunden.

Das Chateau Cormatin war der Sitz des Marquis de Ble de Huxelles, der bei Ludwig XIV. Intendant für die Finanzen war. Das riesige Chateau  mit seinem schier unendlich großen Park liegt inmitten des gleichnamigen Städtchens Cormatin, das früher selbstverständlich auch zum Besitz des Marquis gehörte. Dem Park angeschlossen war noch ein riesiger Küchengarten, in dem alles gezogen wurde, was zum Kochen gebraucht wurde. Schloss und Dorf mit allen Menschen war eine geschlossene Wirtschaftseinheit, in der alles erzeugt wurde, was die Herrschaften und die Dienerschaft zum Leben brauchten.

Es war eine sehr interessante Führung; jedenfalls habe ich sehr viel über das Leben der damaligen hohen Damen gelernt. Gelernt habe ich auch, dass ich damals nicht hätte leben wollen. Na ja, und wenn mich das Schicksal doch in jene Zeit verschlagen hätte, dann wäre ich wahrscheinlich Kerzenanzünder oder so was Ähnliches gewesen - ist mir eigentlich zu wenig.

Die Marquise de Huxelles war 15 Jahre alt als sie den damals 35-jährigen Marquis heiratete. Das war eine Verbindung der Familien, von Liebe war keine Rede. Deshalb brachten beide ihren Freundes- und Gespielinnenkreis in die Ehe mit. Das ging dann den anderen Ehepartner überhaupt nichts an. Die beiden lebten sowieso in verschiedenen Flügeln des Schlosses. Zur seltenen Erfüllung der ehelichen Pflichten zur Erlangung eines Erben gab es ein Prunkschlafzimmer.

Die Mindesträumlichkeiten einer Marquise dieses Ranges bestanden aus vier Zimmern. Das Vorzimmer, in dem die entfernteren Freunde und die Bediensteten empfangen wurden; das eigentliche große Wohnzimmer war zugleich das Schlafzimmer, in dem die wirklich wichtigen Leute empfangen wurden; in der Ecke stand das relativ große Bett - wenn die dichten Vorhänge zugezogen waren, bedeutete das meistens, die Marquise war mit anderen oder sich selbst intim.

Schränke gab es damals nicht, dafür gab’s ein Zimmer mit den gesamten Klamotten, in diesem Zimmer – Garderobe genannt - schliefen auch die Hofdamen und die Zofen auf Matratzen auf dem Fußboden. Außerdem war in diesem Zimmer noch ein Stuhl mit einem Loch in der Sitzfläche ... etwas anderes gab’s damals nicht (kein Wunder, dass damals das Parfüm erfunden wurde!).

Das vierte Zimmer war das "Boudoir", Dieser Begriff kommt von frz. bouder = schmollen. Das Boudoir war also die Schmollecke, in die sich die Marquise zurückzog, wenn sie unpässlich war (also ihre Tage hatte). Der Aufenthalt im Boudoir war zugleich das Zeichen für den Gemahl, dass die Gemahlin nichts mit ihm zu tun haben wollte (egal, ob sie ihre Tage hatte oder nicht).